Puja Titel
19.07.2022

Familienpuja – eine übertraditionelle Feier

Die Idee, Familienpujas zu gestalten, entstand vor mehr als 10 Jahren aus dem buddhistischen Religionsunterricht heraus.

 

Eltern können so mit ihren Kindern gemeinsam ein Stück des Buddha-Weges gehen, aber auch alle anderen Interessierten sind herzlich eingeladen.

 

Katya und ihre Tochter nehmen regelmäßig an Familienpujas teil. Warum, das erzählt Katya im Folgenden.

 

Am Sonntag ist wieder Familienpuja

 

Meine Tochter hat mich schon früh nach dem freundlichen Ruhepol gefragt, der bei uns an der Wand hängt – eine moderne Darstellung des meditierenden Buddha. Ich habe seine Geschichte erzählt, mich bemüht, die zentralsten Lehren und Werte in kindgerechte Sprache zu packen. Als Annika mich jedoch immer wieder nach neuen Erzählungen gefragt hat, sind mir nach einiger Zeit die Ideen ausgegangen. Ein paar wenige Bücher haben kurzfristig Geistesnahrungsnachschub gebracht, doch auch diese waren schnell verschlungen. Annika wollte aktiv mehr wissen. Meine Nähe und mein Zugang zum buddhistischen Gedankengut haben sie wohl inspiriert – jedoch konnte ich nicht genug inhaltlichen Hintergrund der Lehre aufbringen, um einen weiterführenden Kurs anbieten zu können. Auf Nachfrage wurde mir gesagt, dass es zwar einen buddhistischen Religionsunterricht für Schulkinder gibt, dieser jedoch nur dann besucht werden kann, wenn das Kind Buddhist ist oder ohne Bekenntnis angemeldet wurde. Dann wurde mir vorgeschlagen, die buddhistische Familienfeier zu besuchen. Wir gehen nun seit 2018, wenn es uns möglich ist, in die Familienpuja. Annika freut sich jedes Mal darauf. Der Antrieb, hinzugehen, geht vor allem von ihr aus.

 

Schon am Samstag überlegen wir uns, was wir am Sonntag mitbringen wollen. Es gibt eine sehr schöne Tradition, etwas Salziges oder Süßes für die Jause im Anschluss an die Puja mitzubringen. Manchmal bringen wir auch eine der kleinen Buddha-Figuren mit, die zu Hause auf einem Ehrenplatz stehen. Die werden dann bei der Feier mit guter gemeinsamer Energie aufgeladen.

 

Es ist immer etwas Besonderes und gleichzeitig total entspannt, am Sonntag in die Biberstraße zu kommen. Manchmal ist viel los und man trifft so manches bekanntes Gesicht. Manchmal ist es etwas ruhiger. Was immer gleich ist, ist Marinas ruhige und kindergerechte Führung und Moderation der Puja.

 

Puja Titelbild

 

Zu Beginn gibt es immer ein Kinderbuch, das vorgestellt wird. Manchmal gibt es auch einen kurzen Text für die Älteren. Es wird kurz beleuchtet, was man Lernenswertes daraus mitnehmen kann. Dann kommt Annikas Lieblingsabschnitt. Es werden die Gaben vom Altar sehr behutsam vom einen zur anderen im Kreis weitergereicht. Jemand wird von Marina gebeten, etwas zur Bedeutung des Objekts zu sagen, z. B. zum Wasser oder zu der Kerze. So wird auf die elementare Bedeutung von sehr einfachen und alltäglichen Dingen ein Licht gelenkt. Die Dankbarkeit kommt ganz von allein. Danach lesen und singen wir gemeinsam aus dem Familienpuja-Heft und rezitieren Mantren. Dies ist der Teil, der mir auch bei reinen Erwachsenenveranstaltungen sehr gefällt, und das hier mit meiner Tochter teilen zu dürfen, ist für mich besonders wertvoll. Zum Abschluss bekommt dann noch jeder und jede ein gesegnetes Armband aus dreilagigem Faden. Teilweise, wenn das Band so lange hält, erinnert es uns auch Wochen später noch an die schöne Feier.

 

Wichtig ist es auch, anzumerken, dass die Puja keiner buddhistischen Tradition im Besonderen folgt. Es handelt sich um eine bunte Mischung aus Zugängen aller großen Strömungen. Es stehen die verbindenden Elemente der buddhistischen Lehre im Vordergrund.

 

Im Anschluss an den „offiziellen“ Teil beginnt das gesellige Beisammensein in der Küche, das nun endlich wieder möglich ist. Es werden die mitgebrachten Köstlichkeiten auf dem Küchentisch angerichtet, Tee gekocht, Geschirr hingestellt. Alle greifen zu und lassen es sich schmecken. Die Kinder laufen teilweise noch oder schon wieder herum oder spielen im Meditationsraum, während die Erwachsenen etwas Zeit zum Plaudern haben. Annika und ich gehen immer mit dem Gefühl weg, dass wir gerade zwei wertvolle Stunden verbracht haben, und freuen uns schon auf das nächste Mal. In der Familienpuja haben wir den Ort in Wien gefunden, der altersgerecht einen einfachen Zugang zu buddhistischen Lebensweisen und Gedankengut in netter Gesellschaft bietet.

 

Katya

ist Produktmanagerin in einem österreichischen IT-Unternehmen. Ihr Leben wird seit knapp 15 Jahren durch buddhistische Geistesnahrung bereichert.



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